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J. S. Thumhard 1816

Heute auf meiner Werksbank: ein halber Bass mit Zettel „Johann Stephan Thumhard“. Die handschriftliche Jahreszahl ist kaum noch zu erkennen. Etwas UV-Licht hilft beim Entziffern und bringt etwas, das „16“ heißen könnte, zum Vorschein. Demnach entstand der Bass ein Jahr vor seinem Tod.
Die Thumharts (Dumbhart) waren eine weit verzweigte Geigenbauer-Familie, die im 18. und 19. Jahrhundert in Bayern (Amberg, Straubing, Ingolstadt, München) lebte und arbeitete. Lütgendorff schreibt über Johann Stephan Thumhard:

Thumhardt, Joh. Stephan — Straubing. Geb. 1749, † 26. Dezember 1817
Nach dem Straubinger Gewerbekataster machte er sich dort im Jahre 1769 als Geigen- und Saitenmacher ansässig, verheiratete sich 1773 und übergab seine Werkstatt und sein Anwesen seinem Sohne Alois Im Jahre 1817. Er war vielleicht ein Schüler von Buchstädter, dessen Arbeit er ziemlich genau nachahmte. Seine besseren Geigen zeigen ein charakteristisches schmales Modell mit in die Länge gezogenen Mittelbügeln und klingen recht gut; sein braungelber oder brauner Lack ist jedoch meist glanzlos geworden. Sein Grabstein steht noch auf dem Straubinger St.-Peters-Friedhofe, und darauf liest man: »Von seinen Mitbürgern ward er geschätzt und in seinen Kunstwerken wird ihn die Nachwelt noch rühmen. R. J. P.« Als seine besten Geigen werden jene zwölf bezeichnet, die er angeblich für einen reichen Kenner und Sonderling anfertigte. Für die erste erhielt er einen Dukaten, was ihm zu wenig schien, doch schwieg er, als er sofort den Auftrag bekam, eine zweite, noch bessere zu machen. Der Besteller zahlte dann zwei Dukaten dafür und verlangte noch eine bessere, für die er drei Dukaten und so fort bis zu zwölf Dukaten gab. Wegen Ihrer Zwölfzahl werden diese Geigen »Apostelgeigen« genannt, eine davon (vom Jahre 1793) besitzt heute noch Landgerichtsrat F. Ebner in Straubing. Im gleichen Besitz ist eine Viola von 1782; eine solche von 1809 hat Musiker Schmid in Straubing. Auf dem dortigen Kirchenchor zu St. Jakob sind auch noch zwei Violinen von 1814 und 1815, woselbst sich auch ein besonders schöner Baß (1815) von Stephan Th. befindet. Für seine Geigen wurden schon recht gute Preise, für seine Bässe noch höhere bezahlt.