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„Blätterteig“-Reparatur

Beim Kontrabass kommt es an den überstehenden Rändern von Decke und Boden manchmal dazu, dass etwas Holz wegbricht oder absplittert. Bei Kontrabässen aus Sperrholz betrifft das dann meist nur die äußere Furnierlage.

Bei manchen Bässen ist der Span aber lediglich aufgemalt – vor allem Sperrholzbässe, aber auch viele einfache alte böhmische Bässe haben keinen eingelegten Span. In der Geigenbauliteratur wird dem eingelegten Span eine Schutzwirkung zugesprochen: Risse, die von außen nach innen verlaufen, werden vom quer dazu verlaufenden Span quasi „gestoppt“. Aber ist das wirklich so?

Bei dem hier abgebildeten Sperrholzbass ist gut zu erkennen, wie die Fehlstücke exakt bis zum eingelegte Span (Adergraben) gehen. Durchgehende Trockenrisse, die der Adergraben stoppen könnte, treten bei Sperrholz ja generell nicht auf. Aber bei manchen Sperrholzbässen habe ich den Eindruck, dass der schmale Furnierrand gerade deswegen leichter absplittert, weil das Furnier für den eingelegten Span durchschnitten wurde.

Insofern ist bei Sperrholz-Bässen ein aufgemalter Span kein „fauler Trick“, sondern bringt durchaus bauliche Vorteile.

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… und noch ein Bass mit abnehmbarem Hals

Diese Bass kam zu mir in die Werkstatt, weil sich der Hals gelockert hatte. Nachdem ich ihn vollständig herausgelöst hatte, zeigt sich: die Leimverbindung hatte so viel Luft, das konnte nicht halten … 

Die Halsverbindung ist bei diesem Bass als verdeckter Scwalbenschanz ausgefüht, allerdings so ungenau und mit so viel Spiel, dass eigentlich allein die Verleimung mit dem Bodenblättchen all die ganze Last getragen hatte. Deswegen entschieden wir, die Halsverbindung als Schraubverbindung auszuführen. Das Motiv für die Umrüstung zum abnehmbaren Hals war hier also nicht, den Bass mit auf Reisen zu nehmen – aber die Schraube verspricht, die haltbarste Verbindung zu sein (ein komplett neuer und sauber eingesetzter Hals schied aus Kostengründen aus).

Im Zuge des Umbaus zeigte sich, dass man das Problem des losen Halses schon zuvor einmal mit einer Schraube zu lösen versucht hatte: jemand hatte sie von oben durch den Halsfuß geschraubt, allerdings in aus jeden Blickwinkel betrachtet schief. Sie brach schließlich, und bei einem weiteren Reparaturversuch wurde das Schraubenloch wieder verdübelt. Der abgebrochene Rest der Schraube sitzt allerdings noch im Halsklotz. 

Nach dem Auffüttern der Schwalbenschwanzverbindung wird der Hals nun von einer Schraube M8 sicher gehalten – das Gegengewinde wurde von Innen (unten) in den Halsklotz eingesetzt.

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Sechssaiter

Ein Kontrabass mit sechs Saiten?!? Nein, eine Violone. Das zur Familie der Gamben zählende Instrument sieht einem Kontrabass aber recht ähnlich, die Korpusgröße ist etwas größer als die eines ½ Basses, die Mensur ist mit 90 cm aber etwas kleiner.
Gebaut wurde diese G-Violone 1962 bei Uebel in Celle. Die Mechaniken sind so herum montiert, so dass die Drehrichtung der Wirbel anders herum als vom Bass her gewohnt ist. Man muss also zum Hochstimmen „nach unten“ drehen. Zunächst hielt ich das für eine Fehler … sowas kann ja dem tüchtigsten Instrumentenbauer mal passieren. Inzwischen nehme ich aber an, dass die Mechaniken absichtlich so montiert wurden, um die Darmsaiten von unten über die Wirbel, und nicht wie sonst von oben über die Wirbel führen zu können. So ist der Winkel, in dem die Saiten über den Sattel laufen, etwas spitzer und die doch relativ dünnen und weichen Darmsaiten liegen mit etwas mit Druck im Sattel. Die recht weit herumgefeilten Kerben des Originalsattels deuten für mich darauf hin, dass die Saiten zuvor so aufgezogen waren.

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Neuzugang: Kontrabass „Wilhelm August Otto“

Neuzugang in der Werkstatt: ein Kontrabass aus dem Vogtland. Bevor der Bass wieder spielbar ist, braucht er noch etwas handwerkliche Zuwendung, aber die Substanz ist sehr gut und erfreulich unverbastelt. Selbst der originale Lack ist noch in gutem Zustand und muss nur etwas aufgefrischt werden.

Welche Werkstatt den Bass gebaut hat, ist unbekannt – der Bass hat keinen Zettel. Allerdings hat der Händler, der den Bass seinerzeit weiterverkaufte, mit zwei Nägeln ein kleines Blechschild auf dem Blättchen angebracht: „Wilhelm August Otto | Musikinstrumente & Saiten | Markneukirchen i/S.“
Solche durch Händler nachträglich angebrachte Metall-Etiketten sind bei Streichinstrumenten eher ungewöhnlich, man sieht sie aber häufiger bei Gitarren. Aber immerhin gibt uns das Schildchen heute eine konkrete Auskunft über die Geschichte dieses Basses, die bei den meisten vogtländischen Instrumenten dieser Zeit ja oft etwas diffus bleibt.

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Stimmstock mit Hut

In dem Bass einer Musikschule entdeckte ich diesen bemerkenswerten Stimmstock:
Eigentlich ist er etwas zu kurz. Statt für einen neuen Stimmstocks entschied man sich in der letzten Werkstatt jedoch dafür, noch etwas anzusetzen. So bekam dieser Stimmstock ein Hütchen aus Ahorn. 

Das ist deswegen selten und bemerkenswert, weil die Kosten für einen Stimmstock ja weniger im Material, sondern viel mehr in der Arbeitszeit begründet liegen. Das sorgfältige Anpassen einer Stimme ist nunmal sehr zeitaufwändig. Eigentlich lohnt es sich da nicht, an eine alte Stimme noch etwas aufzuleimen und das dann neu anzupassen.

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Jazzkeller-Bass on the road

Phillipp Hahn, der Wirt des Jazzkellers, ist wie ich ein passionierter Alltagsradler. Der Jazzkeller ist auch nicht weit von uns entfernt – sonst hätte ich bei seiner Transport-Methode doch etwas Sorgen, als er mir den Jazzkeller-Bass wegen ein paar offenen Leimfugen mit seinem Omnium vorbeibrachte. Eugens alter Rubner bekam dann noch ein Rundum-Checkup, nun ist der Bass wieder bereit für  Europe’s most famous Jazz Club.

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Zargenriss

Dieser Bass kam mit einem 50 cm langen Riss im Unterbug zu uns in die Werkstatt. Es ist nicht die erste Zargenriss, die dieses Instrument erlebt. Der Bass hat einen Zettel von Friedrich Meindl, datiert 1892 – Meindl hat ihn also im Alter von 66 Jahren gebaut, zwei Jahre vor seinem Tod. Lüttgendorf schreibt über Meindl:

„Meindl, Friedrich. Würzburg, † 1894, Sohn von Franz X. M., Schüler seines Vaters und von Vauchel. Er verlegte sich ganz auf den Bau von Streichinstrumenten und bildete sich darin während seiner Gehilfenzeit in guten Werkstätten aus. Im Jahre 1864 übernahm er die väterliche ((Zitherbau-))Werkstatt. Er war ein sehr sauberer und bis an sein Lebensende fleißiger Arbeiter und hat viele Geigen und Violoncelli gemacht. Er verwendete schönes Holz und einen selbstbereiteten Spirituslack (goldgelben Grund und kirschroten Farblack).“

Zum Glück hat er es bei diesem Kontrabass beim goldgelben Grund belassen – denn Kirschrot trifft den heutigen Geschmack nicht mehr ganz …