Mit Kontrabass zu reisen ist seit jeher eine Herausforderung. Und wenn man zudem Quintstimmung spielt, schränkt das die Möglichkeiten auf Leihbässe zurückzugreifen sehr ein.
Mit diesem Umbau eines alten böhmischen Basses zum abnehmbaren Hals braucht unser Kunde nun auch unterwegs nicht auf sein gewohntes Instrument verzichten.
Ein Kontrabass mit sechs Saiten?!? Nein, eine Violone. Das zur Familie der Gamben zählende Instrument sieht einem Kontrabass aber recht ähnlich, die Korpusgröße ist etwas größer als die eines ½ Basses, die Mensur ist mit 90 cm aber etwas kleiner. Gebaut wurde diese G-Violone 1962 bei Uebel in Celle. Die Mechaniken sind so herum montiert, so dass die Drehrichtung der Wirbel anders herum als vom Bass her gewohnt ist. Man muss also zum Hochstimmen „nach unten“ drehen. Zunächst hielt ich das für eine Fehler … sowas kann ja dem tüchtigsten Instrumentenbauer mal passieren. Inzwischen nehme ich aber an, dass die Mechaniken absichtlich so montiert wurden, um die Darmsaiten von unten über die Wirbel, und nicht wie sonst von oben über die Wirbel führen zu können. So ist der Winkel, in dem die Saiten über den Sattel laufen, etwas spitzer und die doch relativ dünnen und weichen Darmsaiten liegen mit etwas mit Druck im Sattel. Die recht weit herumgefeilten Kerben des Originalsattels deuten für mich darauf hin, dass die Saiten zuvor so aufgezogen waren.
Dieses Gofriller-Modell hatte einen Halsbruch am Wirbelkasten – eine der schwächsten Stellen eines Basses. Manchmal gelingt es, das recht gut und langlebig zu reparieren (ich verwende dazu gerne Dübel aus Carbon), aber der Kunde hat sich hier für einen neuen Hals entschieden.
Neuzugang in der Werkstatt: ein Kontrabass aus dem Vogtland. Bevor der Bass wieder spielbar ist, braucht er noch etwas handwerkliche Zuwendung, aber die Substanz ist sehr gut und erfreulich unverbastelt. Selbst der originale Lack ist noch in gutem Zustand und muss nur etwas aufgefrischt werden.
Welche Werkstatt den Bass gebaut hat, ist unbekannt – der Bass hat keinen Zettel. Allerdings hat der Händler, der den Bass seinerzeit weiterverkaufte, mit zwei Nägeln ein kleines Blechschild auf dem Blättchen angebracht: „Wilhelm August Otto | Musikinstrumente & Saiten | Markneukirchen i/S.“ Solche durch Händler nachträglich angebrachte Metall-Etiketten sind bei Streichinstrumenten eher ungewöhnlich, man sieht sie aber häufiger bei Gitarren. Aber immerhin gibt uns das Schildchen heute eine konkrete Auskunft über die Geschichte dieses Basses, die bei den meisten vogtländischen Instrumenten dieser Zeit ja oft etwas diffus bleibt.
In dem Bass einer Musikschule entdeckte ich diesen bemerkenswerten Stimmstock: Eigentlich ist er etwas zu kurz. Statt für einen neuen Stimmstocks entschied man sich in der letzten Werkstatt jedoch dafür, noch etwas anzusetzen. So bekam dieser Stimmstock ein Hütchen aus Ahorn.
Das ist deswegen selten und bemerkenswert, weil die Kosten für einen Stimmstock ja weniger im Material, sondern viel mehr in der Arbeitszeit begründet liegen. Das sorgfältige Anpassen einer Stimme ist nunmal sehr zeitaufwändig. Eigentlich lohnt es sich da nicht, an eine alte Stimme noch etwas aufzuleimen und das dann neu anzupassen.
Ein Kunde war bei einem Gig in der Verlegenheit, sein Smartphone als Spickzettel benutzen zu müssen. Das dazu verwendet Gaffa-Tape hinterließ beim Abziehen allerdings einige hässliche Krater im Lack des Basses. Gefahrloser für den Lack eines Kontrabasses sind wiederverwendbare Klebe-Pads, wie sie zum Beispiel zur Befestigung auf Auto-Armaturen angeboten werden. Diese Klebepads arbeiten nicht mit Klebstoff, sondern Vakuum, und hinterlassen somit keine Kleberückstände auf dem Bass. Je nach Zustand des Lacks sind auch sie sicher nicht ganz gefahrlos, aber meine Tests auf verschiedenen Instrumenten ergaben keinerlei Probleme beim Entfernen dieser Pads.
Der renommierte Dübel-Hersteller Fischer bietet solche Vakuum-Pads mit Klett-Rückseite an. Pro Set liegt die angegebene Haftkraft bei 5 kg.
Phillipp Hahn, der Wirt des Jazzkellers, ist wie ich ein passionierter Alltagsradler. Der Jazzkeller ist auch nicht weit von uns entfernt – sonst hätte ich bei seiner Transport-Methode doch etwas Sorgen, als er mir den Jazzkeller-Bass wegen ein paar offenen Leimfugen mit seinem Omnium vorbeibrachte. Eugens alter Rubner bekam dann noch ein Rundum-Checkup, nun ist der Bass wieder bereit für Europe’s most famous Jazz Club.
Schreiben Sie uns gerne per E-Mail, wenn Sie weitere Informationen benötigen oder etwas bestellen möchten. Oder kommen Sie einfach mal bei uns in Frankfurt vorbei!
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