Mit Kontrabass zu reisen ist seit jeher eine Herausforderung. Und wenn man zudem Quintstimmung spielt, schränkt das die Möglichkeiten auf Leihbässe zurückzugreifen sehr ein.
Mit diesem Umbau eines alten böhmischen Basses zum abnehmbaren Hals braucht unser Kunde nun auch unterwegs nicht auf sein gewohntes Instrument verzichten.
Ein Kontrabass mit sechs Saiten?!? Nein, eine Violone. Das zur Familie der Gamben zählende Instrument sieht einem Kontrabass aber recht ähnlich, die Korpusgröße ist etwas größer als die eines ½ Basses, die Mensur ist mit 90 cm aber etwas kleiner. Gebaut wurde diese G-Violone 1962 bei Uebel in Celle. Die Mechaniken sind so herum montiert, so dass die Drehrichtung der Wirbel anders herum als vom Bass her gewohnt ist. Man muss also zum Hochstimmen „nach unten“ drehen. Zunächst hielt ich das für eine Fehler … sowas kann ja dem tüchtigsten Instrumentenbauer mal passieren. Inzwischen nehme ich aber an, dass die Mechaniken absichtlich so montiert wurden, um die Darmsaiten von unten über die Wirbel, und nicht wie sonst von oben über die Wirbel führen zu können. So ist der Winkel, in dem die Saiten über den Sattel laufen, etwas spitzer und die doch relativ dünnen und weichen Darmsaiten liegen mit etwas mit Druck im Sattel. Die recht weit herumgefeilten Kerben des Originalsattels deuten für mich darauf hin, dass die Saiten zuvor so aufgezogen waren.
Dieses Gofriller-Modell hatte einen Halsbruch am Wirbelkasten – eine der schwächsten Stellen eines Basses. Manchmal gelingt es, das recht gut und langlebig zu reparieren (ich verwende dazu gerne Dübel aus Carbon), aber der Kunde hat sich hier für einen neuen Hals entschieden.
Tonabnehmer, die unter den Stegfuß geklemmt werden, lassen sich recht einfach mal eben schnell auf dem eigenen Bass ausprobieren. Schwieriger ist das Ausprobieren bei Tonabnehmern, für die der Steg umgebaut, oder wo der Tonabnehmer an den Steg angepasst werden muss. Um unseren Kunden dennoch einen Eindruck vom Klangcharakter dieser Pickups geben zu können, haben wir sie alle auf einem Bass montiert. Wir haben mit diesem Bass auch Aufnahmen erstellt – das war 2011 und ist damit schon etwas länger her, aber im Prinzip sind die Aufnahmen noch immer aktuell. Deswegen bekommen sie hier auf unserer neuen Website nochmal einen eigenen Blogbeitrag.
Die Tonabnehmer-Signale gingen dabei direkt ins Mischpult (teilweise mit einem Lehle Sunday Driver XLR zur Impedanz-Anpassung vorgeschaltet). Keine Klangregelung oder Effekte, nur der trockene Tonabnehmer-Klang. Für eine CD-Aufnahme hätte man sicherlich den Klang weiter optimiert und den jeweiligen Eigenschaften der Tonabnehmer mit angepassten EQ-Einstellungen Rechnung getragen – darauf habe ich hier bewusst verzichtet. Auf der Bühne hören sich die Tonabnehmer also sicherlich anders an: Amp und Lautsprecher färben den Sound, und natürlich spielt auch die Raumakustik eine Rolle. Diese Aufnahmen geben also nicht wieder, wie sich ein Tonabnehmer über einen Amp verstärkt auf der Bühne anhört.
Der ADFC Frankfurt hat sich für den Beitrag in der Mitgliederzeitschrift meinen Kontrabass-Trailer zeigen lassen. „Mobiles Arbeiten – Gewerbetreibende setzen aufs Rad“ – außer meinem Kontrabasstransport per Fahrrad werden auch die Physiotherapeutin Leonarda Tyralla und der Steinmetz Kersten Droß porträtiert.
Neuzugang in der Werkstatt: ein Kontrabass aus dem Vogtland. Bevor der Bass wieder spielbar ist, braucht er noch etwas handwerkliche Zuwendung, aber die Substanz ist sehr gut und erfreulich unverbastelt. Selbst der originale Lack ist noch in gutem Zustand und muss nur etwas aufgefrischt werden.
Welche Werkstatt den Bass gebaut hat, ist unbekannt – der Bass hat keinen Zettel. Allerdings hat der Händler, der den Bass seinerzeit weiterverkaufte, mit zwei Nägeln ein kleines Blechschild auf dem Blättchen angebracht: „Wilhelm August Otto | Musikinstrumente & Saiten | Markneukirchen i/S.“ Solche durch Händler nachträglich angebrachte Metall-Etiketten sind bei Streichinstrumenten eher ungewöhnlich, man sieht sie aber häufiger bei Gitarren. Aber immerhin gibt uns das Schildchen heute eine konkrete Auskunft über die Geschichte dieses Basses, die bei den meisten vogtländischen Instrumenten dieser Zeit ja oft etwas diffus bleibt.
In dem Bass einer Musikschule entdeckte ich diesen bemerkenswerten Stimmstock: Eigentlich ist er etwas zu kurz. Statt für einen neuen Stimmstocks entschied man sich in der letzten Werkstatt jedoch dafür, noch etwas anzusetzen. So bekam dieser Stimmstock ein Hütchen aus Ahorn.
Das ist deswegen selten und bemerkenswert, weil die Kosten für einen Stimmstock ja weniger im Material, sondern viel mehr in der Arbeitszeit begründet liegen. Das sorgfältige Anpassen einer Stimme ist nunmal sehr zeitaufwändig. Eigentlich lohnt es sich da nicht, an eine alte Stimme noch etwas aufzuleimen und das dann neu anzupassen.
Schreiben Sie uns gerne per E-Mail, wenn Sie weitere Informationen benötigen oder etwas bestellen möchten. Oder kommen Sie einfach mal bei uns in Frankfurt vorbei!
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