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Alois Vincens Honek

Auf meiner Werkbank: ein Kontrabass mit Zettel von Alois Vincens Honek, auf dem außer der Jahreszahl 1942 handschriftlich vermerkt wurde: „ad formam propriam N. 3“ („nach eigenem Modell Nr. 3“).

Nun, etwas „eigen“ ist das Modell schon: die Steghöhe beträgt stattliche 18 mm. Ein üblicher Rohling hat meist diese Höhe – vor dem Anpassen, bei dem zwangsläufig immer etwas an Höhe verloren geht. Es ist also etwas schwierig, einen passenden Rohling zu finden. Der Bass ist ansonsten eher einfach: massive Fichtendecke, gewölbter Sperrholzboden, schattierte Spritzlackierung im Stil jener Zeit.

Bemerkenswert ist die Biografie des Geigenbauers Alois Honek. Er kam 1911 Děhylov (Schlesien) zur Welt. Sein Vater war Tischler, der auch Geigen baute und diese Leidenschaft an seinen Sohn weitergab. Parallel (!) zu seiner Schulzeit auf einem Gymnasium wurde er vom Troppauer Geigenbauer Růžička zum Geigenbauer ausgebildet, und machte 1929 seinen Abschluss als Geigenbauer. Nach seinem Abitur ließ er sich aber nicht Geigenbauer nieder, sondern ging an die Prager Karlsuniversität, um Medizin zu studieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums entschied er sich für eine Laufbahn als Chirurg.

Auch als Arzt fand er genügend Zeit für seine große Leidenschaft, den Geigenbau. „Er war dafür bekannt, bereits ab vier Uhr morgens an seinen Instrumenten zu arbeiten. Erst danach machte er sich zu Fuß auf den Weg in das Krankenhaus ‚Na Františku‘, wo er lange Jahre als Oberarzt tätig war“, erinnert sich seine Familie. Er baute über hundert Instrumente, forschte zur Klangoptimierung von Geigen und veröffentlichte dazu in der renommierten Fachzeitschrift „The Strad“. Und für die lateinschen Texte seiner Geigenzettel brauchte er sicherlich kein Lexikon. Er galt zudem ein exzellenter Chirurg, der zur Weiterentwicklung dieses Fachgebiets beigetragen hat. Er pflegte enge Beziehungen zur Tschechischen Philharmonie und begleitete das Orchester auf seinen Weltreisen – als Arzt und „Heiler“ für die Streichinstrumente des Orchesters. Dr. Honěk starb am 2002 im Alter von 91 Jahren.

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J. S. Thumhard 1816

Heute auf meiner Werksbank: ein halber Bass mit Zettel „Johann Stephan Thumhard“. Die handschriftliche Jahreszahl ist kaum noch zu erkennen. Etwas UV-Licht hilft beim Entziffern und bringt etwas, das „16“ heißen könnte, zum Vorschein. Demnach entstand der Bass ein Jahr vor seinem Tod.
Die Thumharts (Dumbhart) waren eine weit verzweigte Geigenbauer-Familie, die im 18. und 19. Jahrhundert in Bayern (Amberg, Straubing, Ingolstadt, München) lebte und arbeitete. Lütgendorff schreibt über Johann Stephan Thumhard:

Thumhardt, Joh. Stephan — Straubing. Geb. 1749, † 26. Dezember 1817
Nach dem Straubinger Gewerbekataster machte er sich dort im Jahre 1769 als Geigen- und Saitenmacher ansässig, verheiratete sich 1773 und übergab seine Werkstatt und sein Anwesen seinem Sohne Alois Im Jahre 1817. Er war vielleicht ein Schüler von Buchstädter, dessen Arbeit er ziemlich genau nachahmte. Seine besseren Geigen zeigen ein charakteristisches schmales Modell mit in die Länge gezogenen Mittelbügeln und klingen recht gut; sein braungelber oder brauner Lack ist jedoch meist glanzlos geworden. Sein Grabstein steht noch auf dem Straubinger St.-Peters-Friedhofe, und darauf liest man: »Von seinen Mitbürgern ward er geschätzt und in seinen Kunstwerken wird ihn die Nachwelt noch rühmen. R. J. P.« Als seine besten Geigen werden jene zwölf bezeichnet, die er angeblich für einen reichen Kenner und Sonderling anfertigte. Für die erste erhielt er einen Dukaten, was ihm zu wenig schien, doch schwieg er, als er sofort den Auftrag bekam, eine zweite, noch bessere zu machen. Der Besteller zahlte dann zwei Dukaten dafür und verlangte noch eine bessere, für die er drei Dukaten und so fort bis zu zwölf Dukaten gab. Wegen Ihrer Zwölfzahl werden diese Geigen »Apostelgeigen« genannt, eine davon (vom Jahre 1793) besitzt heute noch Landgerichtsrat F. Ebner in Straubing. Im gleichen Besitz ist eine Viola von 1782; eine solche von 1809 hat Musiker Schmid in Straubing. Auf dem dortigen Kirchenchor zu St. Jakob sind auch noch zwei Violinen von 1814 und 1815, woselbst sich auch ein besonders schöner Baß (1815) von Stephan Th. befindet. Für seine Geigen wurden schon recht gute Preise, für seine Bässe noch höhere bezahlt.

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Höhenverstellbares Griffbrett

Höhenverstellbare Kontrabassstege sind heute weit verbreitet, und auch an verstellbaren Hälsen haben sich bereits mehrere Bassbauer versucht. Ziel ist hierbei, die Saitenlage (also den Abstand zwischen Saiten und Griffbrett) unterschiedlich einstellen zu können, um den Bass an unterschiedliche Luftfeuchten oder unterschiedliche Saiten und Spielanforderungen anzupassen.

Ein Kunde brachte mir unlängst einen interessanten Bass, der vor einigen Jahrzehnten vom Vor-Vororbesitzer mit einem höhenverstellbaren Griffbrett (sic!) ausgestattet worden war. Das Griffbrett wurde dazu mit einem Scharnier unter dem Obersattel mit dem Hals verschraubt. Unter dem Griffbrett-Überstand war der Neigungsinkel des Griffbretts mit einem Kniehebelspanner verstellbar. Eine T-Schiene aus Edelstahl stabilisierte den Hals, der sich ohne das fest verleimte Griffbrett sonst sicherlich verzogen hätte. Heute würde man hier zu einer Carboneinlage greifen, aber das Material stand in den 1950ern noch nicht zur Verfügung.

Das ganze war handwerklich sehr gut umgesetzt – der Kunde wollte es dennoch rückgebaut haben. Dort, wo der Kniehebelspanner auf dem Oberklotz saß, ersetzte ich dazu das Fehlstück in der Decke. Die T-Schiene war nicht nur verschraubt, sondern auch verklebt – und ließ sich nicht herauslösen. Herausfräsen schied bei Edelstahl logischerweise aus, größere Gewalteinwirkung auch – sie blieb also drin.

Ganz ohne Verstellmöglichkeiten ist der Bass aber jetzt dennoch nicht: der Steg bekam Franz Mosers Stegschrauben, und auch ein verstellbarerer Untersattel wurde montiert.

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„Blätterteig“-Reparatur

Beim Kontrabass kommt es an den überstehenden Rändern von Decke und Boden manchmal dazu, dass etwas Holz wegbricht oder absplittert. Bei Kontrabässen aus Sperrholz betrifft das dann meist nur die äußere Furnierlage.

Bei manchen Bässen ist der Span aber lediglich aufgemalt – vor allem Sperrholzbässe, aber auch viele einfache alte böhmische Bässe haben keinen eingelegten Span. In der Geigenbauliteratur wird dem eingelegten Span eine Schutzwirkung zugesprochen: Risse, die von außen nach innen verlaufen, werden vom quer dazu verlaufenden Span quasi „gestoppt“. Aber ist das wirklich so?

Bei dem hier abgebildeten Sperrholzbass ist gut zu erkennen, wie die Fehlstücke exakt bis zum eingelegte Span (Adergraben) gehen. Durchgehende Trockenrisse, die der Adergraben stoppen könnte, treten bei Sperrholz ja generell nicht auf. Aber bei manchen Sperrholzbässen habe ich den Eindruck, dass der schmale Furnierrand gerade deswegen leichter absplittert, weil das Furnier für den eingelegten Span durchschnitten wurde.

Insofern ist bei Sperrholz-Bässen ein aufgemalter Span kein „fauler Trick“, sondern bringt durchaus bauliche Vorteile.

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… und noch ein Bass mit abnehmbarem Hals

Diese Bass kam zu mir in die Werkstatt, weil sich der Hals gelockert hatte. Nachdem ich ihn vollständig herausgelöst hatte, zeigt sich: die Leimverbindung hatte so viel Luft, das konnte nicht halten … 

Die Halsverbindung ist bei diesem Bass als verdeckter Scwalbenschanz ausgefüht, allerdings so ungenau und mit so viel Spiel, dass eigentlich allein die Verleimung mit dem Bodenblättchen all die ganze Last getragen hatte. Deswegen entschieden wir, die Halsverbindung als Schraubverbindung auszuführen. Das Motiv für die Umrüstung zum abnehmbaren Hals war hier also nicht, den Bass mit auf Reisen zu nehmen – aber die Schraube verspricht, die haltbarste Verbindung zu sein (ein komplett neuer und sauber eingesetzter Hals schied aus Kostengründen aus).

Im Zuge des Umbaus zeigte sich, dass man das Problem des losen Halses schon zuvor einmal mit einer Schraube zu lösen versucht hatte: jemand hatte sie von oben durch den Halsfuß geschraubt, allerdings in aus jeden Blickwinkel betrachtet schief. Sie brach schließlich, und bei einem weiteren Reparaturversuch wurde das Schraubenloch wieder verdübelt. Der abgebrochene Rest der Schraube sitzt allerdings noch im Halsklotz. 

Nach dem Auffüttern der Schwalbenschwanzverbindung wird der Hals nun von einer Schraube M8 sicher gehalten – das Gegengewinde wurde von Innen (unten) in den Halsklotz eingesetzt.

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Sechssaiter

Ein Kontrabass mit sechs Saiten?!? Nein, eine Violone. Das zur Familie der Gamben zählende Instrument sieht einem Kontrabass aber recht ähnlich, die Korpusgröße ist etwas größer als die eines ½ Basses, die Mensur ist mit 90 cm aber etwas kleiner.
Gebaut wurde diese G-Violone 1962 bei Uebel in Celle. Die Mechaniken sind so herum montiert, so dass die Drehrichtung der Wirbel anders herum als vom Bass her gewohnt ist. Man muss also zum Hochstimmen „nach unten“ drehen. Zunächst hielt ich das für eine Fehler … sowas kann ja dem tüchtigsten Instrumentenbauer mal passieren. Inzwischen nehme ich aber an, dass die Mechaniken absichtlich so montiert wurden, um die Darmsaiten von unten über die Wirbel, und nicht wie sonst von oben über die Wirbel führen zu können. So ist der Winkel, in dem die Saiten über den Sattel laufen, etwas spitzer und die doch relativ dünnen und weichen Darmsaiten liegen mit etwas mit Druck im Sattel. Die recht weit herumgefeilten Kerben des Originalsattels deuten für mich darauf hin, dass die Saiten zuvor so aufgezogen waren.

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Neuzugang: Kontrabass „Wilhelm August Otto“

Neuzugang in der Werkstatt: ein Kontrabass aus dem Vogtland. Bevor der Bass wieder spielbar ist, braucht er noch etwas handwerkliche Zuwendung, aber die Substanz ist sehr gut und erfreulich unverbastelt. Selbst der originale Lack ist noch in gutem Zustand und muss nur etwas aufgefrischt werden.

Welche Werkstatt den Bass gebaut hat, ist unbekannt – der Bass hat keinen Zettel. Allerdings hat der Händler, der den Bass seinerzeit weiterverkaufte, mit zwei Nägeln ein kleines Blechschild auf dem Blättchen angebracht: „Wilhelm August Otto | Musikinstrumente & Saiten | Markneukirchen i/S.“
Solche durch Händler nachträglich angebrachte Metall-Etiketten sind bei Streichinstrumenten eher ungewöhnlich, man sieht sie aber häufiger bei Gitarren. Aber immerhin gibt uns das Schildchen heute eine konkrete Auskunft über die Geschichte dieses Basses, die bei den meisten vogtländischen Instrumenten dieser Zeit ja oft etwas diffus bleibt.